Zürich–Winterthur: der Engpass auf dem Schweizer Schienennetz

Der Schienenstrang Zürich – Winterthur ist Teil der nationalen West-Ost-Achse, fahrgaststärkste S-Bahnlinie der Schweiz und Güterzugkorridor. Der ganze Verkehr drängt sich zwischen Effretikon und Winterthur auf einer einzigen Doppelspur. Dieser Abschnitt gehört zu den grössten Engpässen des Schweizer Schienennetzes.

Ein wesentlicher Ausbau des S-Bahn-Angebots zwischen Zürich und Winterthur ist deshalb nicht mehr möglich.

Übersichtskarte über das Schienennetz zwischen Zürich und Winterthur. Beim Hürlistein, vor Effretikon verengt sich das Netz auf eine einzige Doppelspur. Diesen Engpass zu beheben hat sich die Initiative «Schienen für Zürich» zum Ziel gesetzt.

 

Die Entwicklung in den letzten Jahren

Zwischen Zürich und Winterthur stieg die Zahl der durch die Bahn täglich beförderten Personen jedes Jahr um beinahe 4000 an.

Entwicklung der täglichen Fahrgastzahlen  im Korridor Zürich - Winterthur

Fahrplanjahr Anzahl Fahrgäste Anzahl Zunahme/Jahr in Prozent
1989/1990 48848 1699 3.5%
2000/2001 67540 8638 12.8%
2001/2002 76178 3273 4.3%
2003 79451 2092 2.6%
2004 81543 2489 3.1%
2005 84032 4693 5.6%
2006 88725    
Zunahme pro Jahr 3814  
 

Die zu erwartende Entwicklung

In der Spitzenstunde fahren aktuell 15 Züge (Fernverkehr und S-Bahn) in einer Richtung auf einem einzigen Gleis durch das Nadelöhr Effetikon –Winterthur. Die auf dieser Strecke verkehrende S 12 ist heute die am meisten genutzte S-Bahn im ganzen Kanton Zürich.

Mit punktuellen Massnahmen wird nun versucht, die Strecke zwischen Zürich und Winterthur zu verbessern. Diese Massnahmen sind aber ungenügend und sie kommen zu spät. Soll einerseits die zusätzliche Nachfrage auf der Schiene befriedigt und soll andererseits ein Ausbau der Autobahnen vermieden werden, bleibt nur ein Ausbau dieses Engpasses – und zwar so schnell wie möglich.

Der Zürich Verkehrsverbund rechnet allein für die Jahre 2007 bis 2016 mit

- einer Zunahme der Bahnpassagiere an der Stadtgrenze von Zürich Richtung Winterthur um 61%

- einer Zunahme der Bahnpassagiere an der Stadtgrenze von Winterthur Richtung Zürich um 57%

(Quelle: ZVV und SBB, S-Bahn Zürich, 4. Teilergänzung, Planungsbericht Juli 2009)

Deshalb braucht es schnell mehr Gleise, mehr Züge, mehr Sitzplätze.

 

Die Kosten sprechen für die Bahn

Die Volksinitiative „Schienen für Zürich“ verlangt für die Schliessung der Doppelspurlücke im Kempttal einen Rahmenkredit von 520 Mio. Fr. Für den Ausbau der A1 von sechs auf acht Fahrspuren müssten etwa 1.6 Mrd. Franken eingesetzt werden. Sollte statt diesem Achtspur-Ausbau zwischen Zürich und Winterthur eine neue, vierspurige Autobahn gebaut werden, ergeben sich Kosten von etwa 2.4 Mrd. Fr. (Vergleichsbasis: Oberlandautobahn mit 10.2 km Länge, 50% Tunnelanteil und Kosten von 1.2 Mrd. Fr.). Der Strassenausbau kostet damit das drei- bis fünffache des Schienenausbaus.

Kostenvergleich zwischen Ausbau Schiene, resp. Ausbau Nationalstrasse A1: Für den durchgehenden Vierspurausbau der Bahn verlangt die Initiative „Schienen für Zürich“ eine Betrag von 520 Mio. Fr. Soll die A1 auf acht Fahrspuren ausgebaut werden, werden 1.6 Mrd. Fr. benötigt. Ein zweite, vierspurige Autobahn zwischen Zürich und Winterthur würde etwa 2.4 Mrd. Fr. kosten.

 

Mit der Initiative ist die Bahn in der Lage, die prognostizierte Verkehrsnachfrage auf der Schiene und auf der Strasse zu befriedigen.

 

Die Höhe des Rahmenkredites

Der Rahmenkredit setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Einerseits sollten kurzfristige Optimierungsmassnahmen im Umfang von 220 Mio Franken (u.a. das vierte Gleis zwischen Hürlistein und Effretikon sowie das vierte Gleis zwischen Tössmühle und Winterthur), die durch den Spardruck des Bundes gefährdet schienen, vorfinanziert werden. Dies ist nun allerdings nicht mehr nötig, da der Bund die entsprechenden Gelder selber schon gesprochen hat.

Andererseits soll die rund 6.5 km lange Doppelspurstrecke zwischen Effretikon und Tössmühle endlich mit einer zweiten Doppelspur ergänzt werden. Dieses Projekt wird der Bund erst in seiner langfristigen Planung, unter dem Titel Bahn 2030, in Angriff nehmen, so dass der Kanton Zürich die Vorfinanzierung für eine rasche Realisierung übernehmen muss.

Berechnung der Höhe des Rahmenkreditsin Mio Franken
Optimierungen im Rahmen von ZEB (Vorfinanzierung durch Kanton Zürich,
u.a. 4. Gleise Hürlistein -Effretikon und Tössmühle- Winterthur)
220
Unterquerung Nationalstrasse A140
Doppelspur Effretikon - Tössmühle (6.5 km zu 40 Mio /km)260
Höhe des Rahmenkredits520
 

Bahn 2030: „Schienen für Zürich“ in Übereinstimmung mit der Planung des Bundes

Am 23. März 2010 haben das Bundesamt für Verkehr (BAV) und die SBB ihre strategischen Ausbaupläne für die nächsten 20 Jahre unter dem Titel „Bahn 2030“ präsentiert. Das Motto lautet: „Mehr Sitzplätze, mehr Züge, mehr Platz in den Bahnhöfen.“

Klar Stellung bezogen haben das BAV und die SBB zum Ausbauprogramm zwischen Zürich und Winterthur. In beiden Varianten für „Bahn 2030“ im Umfang von 12 oder für 21 Milliarden Franken will der Bund zwischen Effretikon und Winterthur eine „Engpassbehebung Zürich-Winterthur durch den Ausbau entlang bestehender Strecke“ vorantreiben.

Ein Brüttenertunnel findet in dieser Planung nicht statt. Dazu passt, dass der Bund mittlerweile einen grossen Teil, der in der Initiative vorgeschlagenene Investitionen von rund 220 Millionen Franken, u.a. für die Überwerfung Hürlistein, schon bewilligt hat. Mit dem Bau eines Brüttenertunnels wäre dieses Geld fehlinvestiert.

Link zu Bahn 2030
 

Ausbau gemäss Initiative oder Brüttenertunnel?

Der Bund hat an seiner Pressekonferenz vom 23. März 2010 zur strategischen Weiterentwicklung des Schienennetzes klar gemacht, dass der Ausbau der Strecke Zürich - Winterthur entlang der bestehenden Strecke erfolgen soll, das entspricht der Volksinititiave „Schienen für Zürich“. Wenn der Kanton Zürich trotz allem auf dem Bau des Brüttenertunnels bestehen sollte, könnte ihn das dereinst teuer zu stehen kommen. Statt den 300 Millionen Franken, die der oberirdische Ausbau kostet, müssten mindestens  1.3 Milliarden Franken aufgewendet werden. Hier sagt der Bund deutlich: „Kantone zahlen die Kostendifferenz zum Bundesvorschlag, inkl. ungedeckte Betriebskosten.“

Aber auch sonst ist der Brüttenertunnel nicht unproblematisch: bis zu dreistöckige Verflechtungsbauwerke zwischen Dietlikon und Basserdorf  belasten Grundwasser und Landschaft. Und mitten in Winterthur wären Überwerfungen nötig, die mit einem Ausbau auf der bestehenden Strecke westlich von Winterthur, im unüberbauten Gebiet angeordnet werden könnten.

Brüttenertunnel: Verzweigungsbauwerke Brüttisellen Nord und Bassersdorf Ost



Die Zulaufstrecke zum Brüttenertunnel führt durch mitten durch dieses Feld.

Die Zulaufstrecke zum Brüttenertunnel führt durch mitten durch dieses Feld.

Entflechtungsbauwerke Winterthur



Eine Überwerfung mitten im Siedlungsgebiet?

Eine Überwerfung mitten im Siedlungsgebiet?

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